Erfüllung, erschaffen und spüren.

Lebst du erfüllt? Möchtest du erfüllt leben? Wie fühlt sich Erfüllung an?
Erfüllung fühlt sich leicht wie eine Feder an. O.K., vielleicht steht dir jetzt ein riesiges Fragezeichen im Gesicht geschrieben, dass kann ich verstehen. Ich werde jetzt mal konkreter. Wenn du an deine Kindheit denkst hast du dann eine Leichtigkeit in deinem Hals und deinem Magen, oder schnürt sich etwas bei dir zu? Verändert sich etwas in deinem Körper und deiner Empfindung? Ändert sich dein Gesichtsausdruck, wird dein fröhlicher Gesichtsausdruck weniger, oder verschwindet vollständig? Fängt der Kommentator in deinem Kopf an dir Sachen zu sagen, die dir mal von einer Sekunde auf die andere die Laune vermiesen. Wenn das geschieht, ändert sich auch meist die Empfindung der Schwere im Hals und im Magenbereich. Bei manchen steigt auch eine Art Wut auf. Wenn du das hast, genau das hindert dich daran erfüllt zu leben!

„Aber Eva, wie werde ich das denn los, ich kann doch nichts dafür, dass meine Eltern mir das angetan haben!“

So, jetzt sind wir genau dort wo viele stehen und einfach nicht raus kommen. Hätte man mir damals ein leeres Buch in die Hand gedrückt, einen Stift und hätte mir gesagt ich müsste nur alles aufschreiben was mir meine Eltern angetan haben und danach ist alles weg und ich bin erfüllt, ich hätte einen Roman geschrieben!

Richtig, du hast das Wort „damals“ gelesen, bis 2012 hatte ich so viel Wut und Vorwürfe meinen Eltern gegenüber in mir, mit dem Gedanken an Sie habe ich mir den Tag versaut. Jetzt ist es nicht mehr so, ich habe einen Weg kennengelernt wie ich bei dem Gedanken an meine Eltern und meine Kindheit nicht mehr Schwere sondern (mehr) Leichtigkeit verspüre. Noch ist es nicht federleicht, denn dies ist keine Prozedur, die man mal eben in 5 Minuten durchführen kann. Ich arbeite seid über zwei Jahren daran Leichtigkeit zu erreichen. Ich habe bereits viel Leichtigkeit gewonnen, aber vom Federleichten bin ich noch entfernt. Warum das so ist? Unser Verstand möchte das nicht zulassen. Zu allem was uns widerfahren ist haben wir eine „Geschichte“, meist ist diese „Geschichte“ wenn sie mit unseren Eltern zu tun hat ein Drama oder ein Horrorszenarium. Diese „Geschichte“ wird uns von unserem inneren Kommentator immer wieder erzählt, wenn wir an unsere Eltern denken. Bei mir ging das ungefähr so: „Meine Eltern haben mir meine Kindheit versaut weil sie aus Polen nach Deutschland gekommen sind, sie haben mich ohne dass ich ein Wort verstanden habe direkt in den Kindergarten gesteckt und täglich erst wieder spät abgeholt. Sie haben mir meine Familie entzogen…“ Da gab es noch viiiiiel mehr.

Wenn du dir das so anschaust dann kannst du entweder sagen:

1. Eva, ich kann dich total gut verstehen, wie konnten dir deine Eltern das antun, dich einfach deiner Heimat und deiner Familie zu entziehen und dann auch noch in den Kindergarten zu stecken und dort stehen zu lassen dazu auch noch ohne Eingewöhnung! Du tust mir soo leid, ich kann total gut verstehen, dass du bis heute sauer und enttäuscht bist.

Oder du könntest sagen:

2. Eva, hat es dir wirklich geschadet? Schau dein Leben mal genau an! Lebst du noch? Hast du etwas in deinem Leben erreicht?

Welche der beiden Reaktionen klingt besser?
Welche der beiden Reaktionen könnte Erfüllung als Ergebnis verursachen?

1. Reaktion: Die Person die so reagiert wirkt freundschaftlich und mitfühlend und ist nicht falsch, aber diese Person wird dir nicht weiterhelfen können ein erfülltes Leben zu leben. Du bekommst bei der Reaktion Nähe, Mitleid, Aufmerksamkeit, kannst deine Tränen und Trauer zulassen und das immer wieder das ganze Leben lang.
2. Reaktion: Die Person die die zweite Reaktion wählt steigt nicht in die „Geschichte“ ein und somit auch nicht in die Vergangenheit, diese Reaktion klingt zwar härter weil sie keine mitfühlenden Emotionen erzeugt, gibt aber durch die Fragestellung einen Weg raus aus der „Geschichte“ und somit eine Öffnung für einen neuen Blickwinkel.

Jetzt kannst du dir selbst die Frage stellen, was ist dir wichtiger? Möchtest du lieber bemitleidet werden und dein Leben lang die Trauer, Wut und Last mit dir herumschleppen, oder möchtest du aus der „Geschichte“ aussteigen und erfüllt leben?

Was ich dazu sagen möchte, kein Weg ist der Bessere und keiner ist der richtige Weg, jeder Weg hat seine Vorzüge!

Dies ist dein Gewinn, wenn du die „Geschichte“ behältst und lebst: Die Last mitzutragen lässt dich im Recht sein, du kannst alles was dir passiert ist und passieren wird immer auf deine „Geschichte“ und die darin enthaltenen Personen wälzen, du kannst die Verantwortung vollständig abgeben, du kannst dich rächen, du hast immer was zu erzählen und du kannst immer wieder in den Arm genommen und bemitleidet werden. Und das Beste ist, du wirst immer wieder die Bestätigung durch wiederkehrende Situationen erhalten in denen du mit dem Finger darauf zeigen und „siehste“ sagen kannst.

Dies ist dein Gewinn, wenn du die „Geschichte“ loslässt: Du wirst Wut, Trauer, Hilflosigkeit, Verzweiflung, Angst, Mangel und und Misstrauen los, du übernimmst die Verantwortung und wirst zum Macher, du wirst selbstsicherer, du übernimmst die Verantwortung und erschaffst dein Leben selbst, du wirst in Liebe leben, du wirst in Fülle Leben, du wirst in Vertrauen leben, du wirst glücklich sein, du wirst Leichtigkeit spüren und erfüllt sein.

Du willst den zweiten Weg gehen und weist nicht wie du das anstellen kannst? Ich veranschauliche dir an meiner „Geschichte“, wie ich diese los geworden bin und andere „Geschichten“ los werde.

Meine „Geschichte“ in drei Punkten:

1. Meine Eltern haben mich aus Polen nach Deutschland gebracht.
2. Meine Eltern haben mich meiner Familie entzogen.
3. Meine Eltern haben mich in einen Ganztagskindergarten gesteckt ohne Eingewöhnung.

Mein Gewinn aus den drei Punkten:

1. Ich lebe in materieller Fülle.
2. Ich konnte meine Familie in den Ferien besuchen, hatte mehr Narrenfreiheit, habe Probleme nicht mitbekommen, ein Besuch war immer etwas Besonderes, habe viele Postkarten bekommen, intensivere gemeinsame Zeit…
3. Ich wurde in Sprache gebadet und habe dadurch die deutsche Sprache schnell gelernt, ich wurde selstständiger, ich wurde selbstsicherer, da ich mich sogar ohne die Sprache sprechen zu können eingelebt und Freunde gefunden habe.

Die drei Punkte aus unterschiedlichen Blickwinkeln und die Auflösung:

1. „Ich war das Opfer“ -> um da raus zu kommen habe ich meinen Eltern vergeben.
2. „Ich war Täter“ -> um da raus zu kommen habe ich zugegeben, dass ich es meinen Eltern bereits heimgezahlt habe z. B. in dem ich nicht mit ihnen gesprochen habe, sie beschimpft habe, an meinem Geburtstag immer geweint habe und ihnen Vorwürfe gemacht habe, schlecht über sie geredet habe… Der größte Schritt war für mich mit einem großen Blumenstrauss zu meinen Eltern zu fahren ihnen zu sagen dass sie alles richtig gemacht haben, ich sie liebe und ich glücklich bin. Das zu tun war wie einen Rucksack voller Steine abzulegen und sehr befreiend.
3. „Ich bin Urheber und übernehme die Verantwortung“ Ich stimme den Erfahrungen die ich gemacht habe zu und erlaube mir sie gemacht zu haben. Das heißt nicht das ich sie gut finden muss!

Wenn ich meine „Geschichten“ und damit zusammenhängende Vorwürfe so loslassen und loswerden kann bin ich frei, werde Urheber meines Lebens und kann für mich und mein Leben Verantwortung übernehmen. Nichts hängt mehr von anderen ab, ich werde nicht fremdgesteuert, sondern bin für mein Leben selbst verantwortlich und kann wählen wie ich leben will. Ich verleihe mir die Macht über mich, meine Zukunft und meine Vergangenheit. Ich bin frei!

P.S. Wenn dir vergeben schwer fällt, stell dir vor deine Kinder, Freunde… könnten dir gegenüber Vorwürfe haben weil es für sie vielleicht auch irgendetwas gab oder geben wird, was ihnen nicht gepasst hat oder nicht passen wird, oder wodurch sie sich verletzt fühlen oder verletzt fühlen werden…

Freudige Grüße
Eva