Flug verpasst – Himmel oder Hölle?

„Das Leben ist für mich“ das habe ich mir heute Morgen immer wieder wiederholt, als ich am Flughafen auf meine Kamera wartete und überlegte, ob ich den Flug nach New York von Akron rechtzeitig erwischen werde. Was war passiert? Mein Mann und ich besuchten gestern einen Geschäftskontakt in Akron heute Morgen um 5.25 Uhr ging unser Flug. Der Taxifahrer hatte aus versehen das falsche Hotel angefahren und verspätete sich um 10 Minuten. Wir waren nicht erfreut über diese Verspätung, aber haben keinen Ärger aufkommen lassen. Dem Taxifahrer war es sichtlich unangenehm und wir starteten ein Gespräch über die Geschwindigkeitsbegrenzung auf amerikanischen Autobahnen.

In Kürze hatte sich das Klima gelockert. Wir würden den Flughafen pünktlich erreichen, alles war in bester Ordnung, bis mir plötzlich auffiel, dass ich meine Canon Kamera im Nachtisch vom Hotel liegen gelassen hatte. Meine erste Reaktion war: „Wir müssen zurück“, die nächste Reaktion war: „das geht nicht, Chris muss den Flieger erreichen, er hat in New York wichtige Meetings“. Eine Lösung musste her! Ich kam auf die Idee die Kamera mit einem weiteren Taxifahrer zum Flughafen liefern zu lassen. Unser Fahrer rief einen Kumpel an, der die Kamera holen sollte und mir zum Flughafen bringen. Ich hatte noch 45 Minuten bis zum Abflug.

Der Weg vom Hotel zum Flughafen dauerte 20 Minuten, um 4.55 Uhr startete der Fahrer mit samt meiner Kamera und meiner Brille vom Hotel. Ich kannte den Fahrer nicht und er fuhr mit meiner 4000 EUR teuren Kamera vom Hotel ab. Ich vertraute auf diesen Mann und seine Ehrlichkeit. Chris ging bereits durch den Security Check, ich wartete auf meine Kamera. Mir war klar, dass es sich um Minuten wenn nicht sogar Sekunden handeln wird wenn ich die Kamera erhalte, um den Flug noch zu bekommen. Ich werde „100% geben um mitzufliegen“ nahm ich mir vor. „Das Leben ist für mich!“ ging mir die ganze Zeit durch den Kopf. Der Fahrer schaffte es um 5.15 Uhr mit meiner Kamera einzutreffen, ich war ihm unendlich dankbar, rannte zur Kontrolle, bittete mich um Durchgang an einer ellenlangen Schlange zum Securitycheck vorbei, damit ich den Flug erreichen konnte, war in 5 Minuten durch die Kontrolle, rannte zu meinem Gate dass sich ganz hinten im Gebäude befand und erreichte mein Gate um 5.20 Uhr.

Das Gate war leer. Ich fragte das Bodenpersonal ob sie mir helfen könnten, sie schauten was machbar war. Ich hoffte und bekam die Antwort, dass ich 1 Minute zu spät sei. Ich schluckte.
1 Minute zu spät. Wie oft kommt es im Leben vor, dass wir einen Moment zu spät sind und das Leben sich schlagartig verändert. Eine Minute kann alles entscheidend sein.

Für mich hieß es, der Flieger fliegt ohne mich ab.

Die Damen am Schalter waren sehr zuvorkommend, Chris hatte ihnen bereits von meiner Situation erzählt. sie druckten mir das Ticket für den nächsten Flug aus, informierten mich über den Anschlussflug nach New York und entließen mich ins nächste Gate. Nun saß ich da, ich hatte den Flug um eine Minute verpasst, Chris flog mit unserer gebuchten Maschine und ich saß am Flughafen und wartete auf meinen neuen Flieger. Nach einigen tiefen Atemzügen fing ich an zu grinsen. Am liebsten wäre ich aufgesprungen und hätte einen Freudentanz veranstaltet. Ich hatte meinen Flieger um eine Minute verpasst und doch war ich überglücklich. Den Freudentanz habe ich ausgelassen, denn wer weiß ob ich aus dem Grund nicht hätte wieder den Flughafen verlassen müssen. Jetzt fragst du dich sicher: „Wieso ist sie glücklich darüber, dass sie ihren Flug um eine Minute verpasst hat?“ Das ist eine gute Frage! Ich bin glücklich, da mir dadurch so viel Gutes widerfahren ist und ich eine Erkenntnis hatte, die mein Leben verändert. Der Taxifahrer hatte sich verspätet und trotzdem hatten wir dadurch eine gute Zeit und er war sehr engagiert uns zu helfen als er hörte, dass wir Hilfe brauchten. Er sagte zwei Worte: Things happen! Wie Recht er hatte!

Unser Leben läuft nicht immer nach Plan, manchmal geraten wir in Situationen die nicht wirklich erquicklich sind und doch sind diese Situationen ausschlaggebend für unsere Weiterentwicklung und unseren Erfolg.

Ich war absolut dankbar über die Hilfsbereitschaft so vieler Menschen die ich nicht einmal kannte. Ich war dankbar, dass wir den Taxifahrer nicht an gemeckert hatten, aufgrund der Verspätung. Ich war dankbar, dass mich so viele Menschen vorbeigelassen hatten, ich bin dankbar, so tollen Mitarbeiter der Fluggesellschaft begegnet zu sein, die mir kostenlos weitere Flüge rausgesucht hatten. Ich bin dankbar, dass mein Mann mich per Telefon positiv unterstützt hatte, ich bin dankbar mir keine Vorwürfe gemacht zu haben und mich trotz meines Vergessens zu lieben und dankbar zu sein, dass es mir rechtzeitig aufgefallen ist, die Kamera vergessen zu haben. Ich bin dankbar zu sehen, dass trotz frustrierender Situation so viel Liebe, Unterstützung und Zusammenhalt entstanden ist und ich kein bisschen das Gefühl eines Fehltrittes empfunden habe. Ich bin absolut im Reinen mit mir und kann es kaum fassen so glücklich zu sein.

Die wichtigste Erkenntnis für mich: Das Schlimmste was passieren kann ist, dass etwas anderes passiert. Das Andere können wir dann bewerten wie wir es bewerten wollen. Wir können wählen ob wir dankbar sind, oder ob wir uns über uns ärgern so blöd gewesen zu sein, dass diese Situation entstanden ist oder anderen die Schuld geben. All das können wir wählen. Ich wähle Dankbarkeit und Erfüllung, denn das Schlimmste was mir passieren kann ist, dass etwas anderes passiert.

Den nächsten Flieger verpasste ich nicht, für den Anschlussflug hatte ich genügend Zeit und konnte den Flughafen JFK in vollen Zügen genießen. Ich hatte so viel Zeit auf einem Flughafen um vergnügt bummeln zu gehen wie noch nie. Diese Erfahrung war einschneidend für mich. „Things happen“ und das ist kein Weltuntergang. Es gibt für alles eine Lösung und nichts wäre schlimmer gewesen, als sich oder andere dafür selbst durch Beschimpfungen, Vorwürfe oder andere negativen Gedanken verantwortlich zu machen.

Ich habe New York nicht mehr besuchen können, aber dafür habe ich den Flughafen ausgiebig besichtigt, Spaß gehabt wie Kinder Blödsinn machten während Eltern den nächsten Flieger erwischen wollten, nette Verkäuferinnen gesprochen und einfach relaxt.

Wie wertvoll ist das Wissen wählen zu können, ob ich mich wegen einer Situation ärgern werde oder das positive daraus ziehe und einfach glücklich bin. All diese Erkenntnisse sind so wertvoll für mich dass ich sagen kann: „Es hätte mir nichts besseres passieren können als diesen Flug zu verpassen, danke liebes Universum – das Leben ist für mich!“

Genieße deinen Tag und bis in Kürze
Eva