Hamsterrad und Gefühle

So da bin ich wieder, aus einem Wochenende, dass ich gerne anders erlebt hätte und doch war es das Beste, was ich hätte für meine Weiterentwicklung erleben können. Kennst du das auch, du erlebst irgendwann – meist in deiner Kindheit – eine Situation z. B. irgendjemand hat dir etwas gesagt und ab dem Moment merkst du, der hat Recht. Genau, immer wieder passiert dir ab da dasselbe. Es gibt unzählige Geschehenisse aus denen du eine Schlussfolgerung ziehst und ab da ist dir klar, ja es ist immer so. Immer passiert dir das und du wartest direkt darauf, dass genau diese Situation wieder kehrt, damit du sagen kannst: Ich wusste es! Ich wusste es: dass mich der Mann wieder betrügen wird, ich wusste es: dass Frauen alle gleich sind, ich wusste es: dass alle Arbeitgeber nicht sauber ticken, ich wusste es: dass Freundinnen mir den Freund ausspannen und in meinem Fall: ich wusste es, ich bestehe Prüfungen immer so kurz vor knapp…

Es gibt so viele ich wusste es und so viele immer wieder und warum mir!

Hiermit will ich dich beruhigen, du bist nicht alleine in der Welt Hamsterrad! Schau dich um, überall rollt eines an dir vorbei und der Mensch der sich darin abstrampelt, findet darin die Bremse nicht um anhalten und aussteigen zu können. Manch einer ist nicht bereit da auszusteigen und und manch einer hat gar keine Vorstellung davon, dass man das Rad überhaupt anhalten kann. Aber wir alle haben immer Gefühle dazu! Wir fühlen den Ärger, den Druck und sind am Boden zerstört wenn sich eine Situation immer wieder wiederholt und doch ist sie uns irgendwie vertraut. Sie ist uns nah als würde sie uns in den Arm nehmen und sagen wollen: Du bist sicher bei mir. Wir wissen was abläuft und wohin es geht und ganz ehrlich, sogar als Kind haben wir Wiederholungen geliebt. Wie oft haben wir uns Kinderbücher wiederholt angeschaut, Hörspiele zum xten Mal gehört, Filme immer wieder zurückgespult um genau die Szene erneut zu sehen. Wiederholungen sind wie Routine sie wirken sicher.

Aber ganz ehrlich, ich möchte nur die schönen Situationen wiederholen, ich will den Genuss die Liebe den Spaß wiederholen aber nicht den Ärger, da will ich raus und doch habe ich mein Hamsterrad dieses mal wieder betreten und die Bremse nicht gefunden.

Warum schreibe ich eigentlich diesen Artikel, ich habe überlegt ob ich das machen soll, wer will schon sein Scheitern öffentlich machen, sind wir nicht eine Gesellschaft bei denen immer alles so perfekt läuft? Sind wir nicht eine Gesellschaft bei der das Scheitern einfach nicht vorhanden ist? Nach außen hin ist alles immer schick, aber der Schein trügt. Paare trennen sich bei denen ich mich frage: Hä? Haben die nicht gestern noch erzählt sie seien so verliebt ineinander? Haben die über Nacht gemerkt, dass es nicht so ist?
Klar, ins Jammern abzurutschen ist auch keine Lösung. Was dann? Wie fühlt es sich an zu Hause todunglücklich zu sein und kaum hat man die Tür geöffnet strahlt man der Außenwelt entgegen. Warum nicht einfach sagen: Mir geht es nicht gut, aber ich möchte das ändern! Warum eine negative Bewertung über sich zu haben eine Situation erlebt zu haben die einem nicht gefallen hat.

Leute, ich habe die Prüfung nicht bestanden, ich war am Boden zerstört, ich habe mich sowas von meinen Gefühlen kriegen lassen und diesmal nicht geschafft die Bremse früher zu ziehen und doch bin ich kein schlechterer Mensch dadurch. Ich würde nicht mal behaupten, dass ich die Inhalte nicht kann, denn ich weiß dass ich sie kann! Das ist total verrückt! Ich bestehe eine Prüfung nicht, obwohl ich weiß dass ich mindestens 80% des benötigten Wissens hatte, wenn nicht sogar mehr und doch habe ich in dem Moment so eine Panik bekommen dass genau eine Frage kam die ich einfach übersehen hatte zu lernen (es gibt keine Zufälle), dass ich mir ein Drama erschaffen habe in dem ich keinen klaren Gedanken mehr fassen wollte. Ich habe mich mitreißen lassen von der Welle des Ärgers warum ich genau diese Frage erhalten habe.

Warum die! Warum ich! Warum bei einer Prüfung die ich unbedingt bestehen wollte, bei der ich mir vorher so sicher war, bei einer Prüfung bei der ich mich mit dem Inhalt schon über zwei Jahre so intensiv auseinander setze wie nie zuvor in meinem Leben und ich Ergebnisse vorzeigen die das Untermauern und doch habe ich in den Prüfungsaufgaben gefailt. Und kannst du dir vorstellen, worum es in der Frage ging? Es ging um Ärger und Depression! Wie passend ist das denn, das kann doch kein Zufall sein!

Interessant war, dass ich den ersten Fail noch hätte mit der zweiten Aufgabe ausgleichen können um trotzdem zu bestehen und ganz ehrlich, wäre diese Aufgabe nicht unter dem Wort „Prüfung“ gelaufen, ich wäre brillant gewesen. Ich kenne mich nicht anders, als dass ich solche Aufgaben 100% abliefere und diesmal hatte ich einen Stock in den Speichen. Schon die Vorbereitung war für mich eine reine Verweigerung. Ich hatte sogar überlegt weg zu rennen, um mir nicht die Blöße geben zu müssen, da ich innerlich wusste was auf mich zukommt. Ich würde wieder meine Geschichte wiederholen und mir bestätigen, dass es immer so ist dass ich nur knapp bestehe. Und ja, ich habe sie wieder die Bestätigung. Und jetzt?!

Was habe ich davon zu wissen dass ich Recht habe?! Ich könnte jetzt tausende Ausreden finden um zu sagen, warum mir das Ganze passiert ist. Es würde sich immer jemand oder etwas geben, dem ich meine Miesere anhängen könnte, aber da bin ich schon raus. Was bringt mir das? Das bringt definitiv keine Veränderung! Ich möchte Weiterentwicklung, ich möchte Chef meiner Gedanken und Gefühle sein und somit auch Chef meiner Ergebnisse. Nur ich bin verantwortlich, nur mit der Einstellung habe ich das Steuer in der Hand, oder das Ruder, oder das Zepter und kann mich genau da hin manövrieren wohin ich will!

Wie ich schon mal geschrieben hatte, ich habe bereits viel verändert aber noch bin ich nicht am Ziel und die Frage ist, was ist das Ziel? Gibt es ein Ziel in dem man nie mehr Ärger oder Misserfolg hat? Ich bin überzeugt, dass es das nicht gibt, aber ich kann lernen da schnell auszusteigen, oder für so eine Situation wie meine jetzige, das Hamsterrad zu stoppen und durch Wandeln meiner Schlussfolgerungen beenden, um das nie mehr zu erleben. Denn das was mir diesmal passiert ist, hat nur etwas mit meinem Kopf zu tun nicht mit meiner Kompetenz, auch wenn das Männchen in meinem Kopf mir am Wochenende immer wieder zugeflüstert hat und mich vom Gegenteil überzeugen wollte und ich ihm am Wochenende diesmal wieder mehr ein Ohr geschenkt habe als ich es sonst tun würde.

Nach der zweiten Prüfung – ein Sokratischer Dialog zum Thema: „Selbstverwirklichung ist wichtig“ und „Selbstverwirklichung ist unwichtig“ hatte ich eine Erkenntnis, die mich auf einen Weg gebracht hat das Problem angehen zu können. Das Thema war von den Trainern der CoachingAcademie super gewählt, das Beste was mir hätte passieren können und das sage ich, obwohl ich diese Prüfung nur knapp bestanden habe. Kaum hatte ich meinen Vortrag hinter mir und saß wieder auf meinem Stuhl, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Bei dem Thema sollte es um mich gehen, ich habe über Künstler wie Musiker, und Autoren nachgedacht, aber mich selbst habe ich fast vollständig da raus gelassen. Es war mir sogar unangenehm etwas über mich zu sagen und somit vergaß ich beim Dialog sogar ein Argument!

Watsch! Da lag ein Teil der Lösung vor mir! Was denke ich über mich und meine Selbstverwirklichung wirklich! Was denke ich darüber, dass ich diesen Blog schreibe?! Mein erster Gedanke war: Den Blog werde ich schließen. Ich habe nicht brillant bestanden, wie kann ich mich überhaupt noch hier blicken lassen. Ich möchte dir etwas von Lebensfreude, Erfolg, Liebe… erzählen und bestehe nicht mal meine Prüfung wie stehe ich dann bloß da!

Doch da bin ich raus! Den Schritt möchte ich nicht mehr gehen, ich habe ihn damals öfter gemacht, sobald etwas nicht funktioniert hat habe ich das Handtuch geworfen, obwohl ich vor dem kleinen Problem erfolgreich gewesen bin! Das will ich nicht mehr, ich gehe da jetzt durch und ich werde die Lösung finden mich nicht mehr in so eine Prüfungsangst zu steigern dies schaffe ich nur nicht, wenn ich so oberflächige Lösungen wie: ich lerne früher, oder ich werde mir 100 mal sagen dass ich bestehe, oder ich sage mir dass es egal ist wenn ich nicht bestehe, denn all das ist ein Kratzen an der Oberfläche. Ich könnte dir jetzt direkt das passende Modell liefern, es wäre das Eisbergmodell von Stefan und Maria Craemer aber die Prüfung ist ja jetzt um 😉

Aber genau anhand der Modelle die ich gelernt habe entdeckte ich bereits in der Pause einen Teil meiner Lösung. Ich dachte ich bewerte meine Selbstverwirklichung und dann stellte ich fest bei einem Gespräch mit einem Freund, ich ignoriere meine Erfolge die mit meiner Selbstverwirklichung z. B. im künstlerischen Bereich zu tun haben komplett. Sie sind für mich total selbstverständlich. Ich habe zwei Bücher geschrieben und verkaufe sie bis heute, meine Meinung dazu: Das kann doch jeder! Ich fotografiere und wurde von vielen Eltern gebeten zu ihnen in die Kita zu kommen, nachdem sie einige meiner Fotos gesehen habe und erfahren haben wie ich mit den Kindern arbeite aber meine Meinung: Ich habe Fotografie gar nicht gelernt: Das kann doch jeder! Ich schreibe Blog Beiträge und ich denke mir: Das kann doch jeder und übrigens: Wer weiß ob ich nicht sogar der breiten Masse damit auf den Wecker falle! Wir wohnen in einem großen Haus mein Mann ist erfolgreich… ich habe ihn dazu ermächtigt: Das kann doch jeder! Jetzt frage ich mich: Wozu erkenne ich mir diese Erfolge nicht an?! Welchen Gewinn habe ich dabei mich klein zu halten und selbst zu erniedrigen.
Du bist jetzt live dabei auf meinem weiteren Weg einen Stein auszuräumen der mir den Durchgang zu noch mehr Lebensfreude, Erfolg und Erfüllung versperrt. Du bekommst gerade mit welche Maschinerie bei mir gerade losgeht während ich den Artikel schreibe um die Lösung zu finden: Willkommen in der ersten Reihe!

Habe ich jetzt schon eine Antwort darauf? Nein, noch habe ich sie nicht. Ich habe eine Situation im Hinterkopf die mir passiert ist als ich etwa 19 war. Damals war ich sehr verliebt in einen Physikstudenten, wir haben uns gerade kennengelernt und zwei, dreimal getroffen, da sagte eine mir sehr nahe Person: Eva, dem Mann kannst du das Wasser nicht reichen, der ist zu schlau für dich. Du hast nur Realschulabschluss und er ist Physikstudent der wird dich verlassen, der ist nichts für dich.

Ab da fing ich an genau zu schauen und fand direkt so viele Punkte um dieser Person zuzustimmen. Ich bemerkte dass er mit Worten um sich warf, die ich gar nicht verstanden habe. Somit kaufte ich mir einen Duden, er laß Zeitung und erzählte mir was von Politik, an der ich kein Interesse hatte, also fing ich an Zeitung zu lesen. Ich wurde immer ruhiger und redete kaum noch, um nichts falsches zu sagen – immer nur hübsch lächeln! Ich machte mich zum Affen in dem ich ihm beweisen wollte wie gut ich Inline-Skaten kann und fuhr einen Berg hinab der definitiv zu steil für mich war und warf beinahe eine ältere Dame um. Ich erzählte ihm Sachen von mir in denen ich mich in ein schlechtes Licht stellte. Kannst du dir vorstellen was passierte? Klar, er entfernte sich schleunigst von mir und ehrlich, ich kann es heute sehr gut verstehen. Ich habe damals dieser Person und mir bewiesen, dass sie Recht hatte mit ihrer Aussage, dass ich ihm das Wasser nicht reichen kann, ich mit meinem Realschulabschluss keine Chance habe mit einem Physikstudenten zusammen zu sein und er mich verlassen wird.

Heute bin ich glücklich verheiratet und doch habe ich diese Situation nicht überwunden, sie ist nur in die hinterste Ecke meines Gedächtnisses geraten und jetzt poppt sie hervor. Jetzt weiß ich auch, dass ich ihn genau deshalb von mir weg gesteuert habe, weil ich der Person recht geben und mir das ebenfalls bestätigen wollte. Ich habe die Wahl getroffen der Person zu glauben, ich hätte ebenfalls die Wahl treffen können ihr nicht zu glauben, aber das habe ich nicht getan. Und habe ich es ihr heimgezahlt? Ja das habe ich! Immer und immer wieder mit Distanz. Ich habe das Thema nie mehr angesprochen. Und ich will da raus!

Dieser Vorwurf entfernt mich vom glücklich und erfüllt sein. Es war nicht schön, es hat mich sehr verletzt und ich stimme heute zu diese Erfahrung gemacht zu haben. Heute weiß ich, dass ich nur da raus komme wenn ich dieser Person vergebe. Ich vergebe ihr mir das gesagt zu haben, ich vergebe mir nicht die andere Wahl getroffen zu haben diese Aussage direkt als Quatsch von mir abzuwenden, ich vergebe mir zurückgeschlagen zu haben, es tut mir leid. Ich stimme zu das erlebt zu haben, auch wenn es mir damals und bis heute sehr wehgetan hat.

Ein Glück läuft gerade keine Kamera, denn wer will schon eine heulende Bloggerin sehen!

Ich bin verantwortlich für mein Handeln und meine Wahl. Jetzt weiß ich, die Aussage die die Person damals über meinen Intellekt getroffen hat stimmt nicht! Ja ich habe nur Realschulabschluss, aber das war meine Wahl! Ich hätte mit den Noten die ich damals hatte aufs Gymnasium gehen können, ich hätte Studieren können, doch ich wusste schon als Kind, dass ich früh Mutter werden will und einen tollen, reichen Mann heiraten werde der mich über alles liebt und den ich über alles liebe und Abitur und Studium passten in diese Vision nicht hinein. Es war meine Wahl und hat nichts mit meinem Intellekt zu tun und sollte das irgendjemand in Zukunft behaupten, dann wähle ich direkt den Weg: Das ist Quatsch! Ich werde keinen einzigen Gedanken mehr daran verschwenden es vielleicht doch zu überprüfen, ob er nicht doch Recht haben könnte. Keine Sekunde werde ich dafür opfern, denn das ist QUATSCH!

So, da sind wir jetzt, den ersten Stein habe ich zur Seite geschoben, jetzt überlege ich ob ich tatsächlich IMMER eine Prüfung nur kurz vor knapp oder nicht bestanden habe und stelle fest: Nein es ist nicht so! Meine Fahrprüfung habe ich theoretisch mit 0 Fehlern bestanden und auch die Fahrprüfung am Steuer habe ich beim ersten Mal geschafft! Hiermit kann ich widerlegen, dass ich IMMER kurz vor knapp eine Prüfung bestehe das stimmt nicht, ich habe es mir nur über Jahre in mein Gehirn gebrannt, dem geglaubt und Ergebnisse sowie Bestätigung dafür gesammelt!
Ich hätte auch sagen können, das stimmt nicht! Man o man, was bin ich dankbar dass ich Blog schreibe, denn so extrem hätte ich mich sonst selbst nicht mit mir auseinander gesetzt. Auch wenn das hier keine liest, oder sogar alle total blöde finden, für mich ist das die Befreiung! Ich sehe was ich da gemacht habe! Ich habe mich selbst zum Opfer und Täter gemacht! Auch das will ich mir verzeihen, ich will das nicht mehr! Ich möchte aus dem Hamsterrad raus! Ich stimme zu die Erfahrung gemacht zu haben, auch wenn sie mir nicht gefallen hat. Ich habe den Weg gewählt und er war weder richtig noch falsch, er war eine Wahl und hat mich da hin gebracht wo ich jetzt bin.

Es ist möglich all die Last loszuwerden, es ist möglich da raus zu kommen, es ist möglich wieder glücklich zu sein, es ist möglich all das hinter sich zu lassen in Frieden! Ich poste das hier einerseits weil es mich befreit und andererseits um dir diese Möglichkeit aufzuzeigen.
Ich lasse dich teil haben an meiner Weiterentwicklung und auf meinem Weg zum Glück, ich bekomme bald die Möglichkeit die Prüfung schriftlich nachzuholen und ich werde bestehen!

Welchen Weg wählst du?

Freudige Grüße
Eva

P.S. Mein lieber Mann, wenn du das liest danke ich dir noch mal für deine Nachricht, in der du mir geschrieben hast: „Ich liebe dich, auch wenn du die Prüfung nicht bestehst!“
Danke!!!

P.P.S. Meine lieben Töchter, solltet ihr mal zufällig über diesen Artikel hüpfen: Ich habe es nicht getan und ich werde nie über Noten mit euch meckern, ich nehme euch in den Arm und wenn ihr Unterstützung benötigt, dann erhaltet ihr die von mir. Ihr fühlt euch bestimmt auch nicht gut mit einer schlechten Note. Ich liebe euch immer, ohne Einschränkung!