Warum Streiten gesund ist

Viele Menschen behaupten, wenn ein Paar oft streitet, dann stimmt etwas mit der Beziehung nicht. Das würde ich persönlich nicht so unterschreiben. Einerseits stimmt es, dass man scheinbar viele Differenzen hat, aber das heißt nicht, dass mit der Beziehung etwas nicht stimmt.

Eine Beziehung besteht aus zwei Menschen. Diese Menschen sind von Natur aus unterschiedlich. Meist sind es zwei Menschen mit unterschiedlichem Geschlecht, sie sind von Grund auf unterschiedlich. Beide Menschen haben ihre Bedürfnisse und Wünsche und möchten sich in einer Beziehung verstanden fühlen, respektvoll behandelt werden und spüren, dass auf ihre Wünsche eingegangen wird.

Eine Beziehung in der oft gestritten wird und keine Lösung für die Probleme gefunden wird, besteht aus zwei Menschen die „krampfhaft“ versuchen mit dem Partner auf einen Nenner zu kommen. Beide wollen sich in der Beziehung nicht verlieren, verraten, oder aufgeben. Sie haben beide den Wunsch gesehen zu werden. Das Problem besteht darin, dass diese beiden Menschen ihr Leid mehr spüren als das des anderen. Sie spüren ihren Wunsch, ihr Problem und öffnen sich nicht für den anderen.

Dieses Verhalten ist auch ganz normal, denn wir Menschen wollen ja, dass unsere Wünsche und Bedürfnisse in Erfüllung gehen, wir denken immer erst Mal an uns. Was funktioniert jedoch nicht bei einem Streit?

1. Wir streiten mit Vorwurf
Als Beispiel Frau zu Mann: Immer ziehst du deine Socken nicht auseinander, obwohl ich dich darum gebeten habe.

Der Mann bekommt einen Vorwurf, das ist am Wort „immer“ deutlich zu erkennen. Er fühlt sich angegriffen und geht entweder zum

  • Gegenangriff: Du bist auch nicht besser, du parkst das Auto „immer“ zu weit von der Garagenwand entfernt hin, da komme ich kaum aus meinem Auto raus.
  • Oder es folgt die Verteidigung: Nach einem harten Tag sind die Socken mir scheißegal! Hast du nichts anderes zu tun als an mir herumzunörgeln?
  • Oder er wird beleidigend: Du sprichst schon wie deine Mutter, die hat auch immer was zu meckern!
  • Oder er wird wütend und fängt an zu schreien: Du und dein Sauberkeitstick, du nervst!
  • Oder er reagiert ignorant und setzt die Kopfhörer auf, beschäftigt sich mit seinem Handy, geht einfach weg, oder spricht ab sofort nicht mehr mit seiner Partnerin oder nur das Nötigste.Natürlich gibt es auch das ganze Szenario anders herum, dass der Mann der Frau einen Vorwurf macht und sie dementsprechend reagiert.

Aber wie kann man streiten, um den Streit schnell zu beenden und glücklich zu sein dies besprochen zu haben. Ist das überhaupt möglich? Ja, es ist möglich und es braucht ein wenig Übung.

So könnte es ablaufen, mit der bereits bekannten Situation:

Als Beispiel Frau zu Mann: Könntest du bitte deine Socken auseinander ziehen wenn du sie ausziehst, ich finde das ekelig, (oder) es raubt mir Zeit, (oder) ich fühle mich respektlos behandelt, wenn du deine Socken zusammengeknüllt in die Wäsche schmeißt.

Er könnte zwar jetzt mit einem Angriff gegen sie starten, aber sie kann ihm dann den Wind aus den Segeln nehmen z.B.:

Er zu ihr:
Gegenangriff: Du bist auch nicht besser, du parkst das Auto „immer“ zu weit von der Garagenwand entfernt hin, da komme ich kaum aus meinem Auto raus.

Sie zu ihm:
Sie ganz cool ohne gefühlig zu reagieren: Was hat das mit meiner Bitte die Socken auseinander zu ziehen zu tun?

Ihm wird durch diese coole und gefühlsneutrale Antwort der Wind aus den Segeln genommen, er kann gar nicht weiter streiten, da sie ihn nicht zum Streit herausfordert, sondern sachlich mit ihm spricht.

Er zu ihr:
Verteidigung: Nach einem harten Tag sind die Socken mir scheißegal! Hast du nichts anderes zu tun als an mir herumzunörgeln?

Sie zu ihm:
Sie ganz cool ohne gefühlig zu reagieren: Ich weiß dass du hart arbeitest, ich habe weder an dir rumgenörgelt und weil ich auch etwas anderes zu tun habe, möchte ich mich nicht so lange mit den Socken aufhalten. (Klarstellen ohne anzugreifen)

Ich bitte dich meine Arbeit zu unterstützen. Warum ist dir meine Arbeit die ich für dich tue und mein Gefühl beim Socken auseinander ziehen scheißegal? (Hier muss er jetzt erklären und wird eher Schwierigkeiten haben eine plausible Antwort zu finden)

Er zu ihr:
Beleidigung: Du sprichst schon wie deine Mutter, die hat auch immer was zu meckern!

Sie zu ihm:
Sie ganz cool ohne gefühlig zu reagieren: Ich habe dich gebeten deine Socken auseinander zu ziehen, was hat meine Mutter mit meiner Bitte zu tun? Wie kommst du darauf, dass eine Bitte zu äußern Meckern ist?

Er zu ihr:
Wut und fängt an zu schreien: Du und dein Sauberkeitstick, du nervst!

Sie zu ihm:
Sie ganz cool und bestimmt zu ihm: Ich sehe du bist wütend. Ich lasse diesen Ton mir gegenüber nicht zu! Ich habe eine Bitte an dich, es gibt keinen Grund jetzt ausfallend zu werden. Wenn du dich beruhigt hast, werde ich dich erneut darauf ansprechen.
Sie verlässt die Situation, ihm wird der Wind aus den Segeln genommen, in dem sie nicht darauf einsteigt.

Er zu ihr:
Ignorant und setzt die Kopfhörer auf, beschäftigt sich mit seinem Handy, geht einfach weg, oder spricht ab sofort nicht mehr mit seiner Partnerin oder nur das Nötigste.

Sie zu ihm:
Sie ganz cool ohne gefühlig zu reagieren: Ich bitte dich wenn ich mit dir spreche mir zuzuhören. Bist du an einer glücklichen Partnerschaft mit mir interessiert?

Jetzt hat sie den Ball zu ihm gerollt, er muss antworten. Wenn er nichts sagt, hat sie genau so eine Antwort darauf wie wenn er nein sagt. Hier kann sie dann Konsequenzen ziehen. Wenn er ja sagt, kann sie darum bitten, dass bei Gesprächen miteinander die Aufmerksamkeit der Person gegenüber gelten soll.

Es kann sein, dass das alles erst mal total theoretisch für dich klingt. Wichtig ist, die Ruhe zu bewahren. Wenn eine Person die Ruhe bewahrt und neutral bleibt, kann ein Streit nicht beginnen. Ihre Ruhe gibt ihm keine Angriffsfläche.

Sie können dann gemeinsam eine Synthese für dieses Problem finden. Z. B. können sie eine Reinigungskraft engagieren, die sich auch um die Socken kümmert, wenn er sie nicht auseinander zieht. Oder, er wäscht seine Socken ab sofort selbst, oder sie lässt die Socken zusammengeknüllt, wäscht sie so in einem separaten Netz und seine Aufgabe besteht dann darin sie selbst zusammen zu legen. Beide können dann beginnen eine Lösung zu finden die beiden gefällt.

Zusammengefasst:

  1. Beginne keinen Streit mit Vorwurf, sondern mit deinem Bedürfnis, oder deinem Gefühl. Rede in „ICH“ Form z. B. als Bitte.
  2. Steige nicht auf den Ärger deines Gegenübers ein.
  3. Versetze dich in seine Lage und zeige Verständnis, ohne deinen Wunsch aus den Augen zu verlieren.
  4. Verschiebt die Schlichtung des Streits, wenn einer von euch zu ausfallend reagiert.
  5. Habt im Hinterkopf, dass ein Streit immer eine Möglichkeit für etwas Neues ist. Streiten ist nicht etwas Schlechtes, er ist lediglich ein Wunsch nach Optimierung/Erfüllung einer Situation, eines Wunsches oder einer Sichtweise.Ein Streit ist gesund, wenn beide funktional streiten. Man stärkt durch das funktionale streiten sein Selbstwertgefühl und seine Zufriedenheit, auch in schwierigen Situationen zu bestehen. Wenn er funktional gelöst wird, schweißt er ein Paar sogar mehr zusammen, sie lernen dass keine Hürde und kein Problem sie voneinander trennen kann. Sie fühlen sich zusammen sicher, stark, respektiert und geliebt.

Ein Streit dient der Weiterentwicklung, wichtig ist respektvoll und funktional zu streiten.


Gehe keinen Kompromiss ein, sondern gehe das Risiko ein eine Synthese zu finden. Das kann etwas dauern, aber wenn beide hinterher glücklich mit der Lösung sind, ist die Situation gelöst. Wenn ein Kompromiss eingegangen wird, hat einer zurückgesteckt und kann einen Vorwurf bilden oder den Anspruch bei der nächsten Situation der „Gewinner“ zu sein.

Sollte bei einem Streit dein Hals mal dick werden und die Gefühle mit dir durchgehen, atme tief durch. Bringe dich auf ein Level der inneren Ruhe, falls es nicht geht vertage den Streit. Wenn man in starken Emotionen steckt, ist es kaum möglich funktional zu streiten, da man verbissen seine Sichtweise durchboxen will.

Je öfter du funktional streitest, umso schneller geht dir diese Art zu Streiten ins Blut über. Es wird sich dann nicht mehr so technisch anfühlen.

Ich hoffe ich konnte dir verständlich erklären wie ein funktionaler Streit abläuft. Ich würde mich über deinen Kommentar sehr freuen. Wenn dich weitere Themen zur glücklichen Partnerschaft interessieren, dann nehme an dem kostenlosen Online Beziehungskurs: 7 Schritte in eine glückliche Beziehung teil, oder falls du gleich richtig loslegen willst, melde dich für den Basis-Beziehungslehrgang an.

Genieße deinen Tag und bis in Kürze
Eva